Völlig wirkungslos bei Gicht...

Es gibt eine praktisch unübersehbare Menge an Vorschlägen oder Produkten, die Gicht lindern oder heilen sollen. (Wenn etwas damit beworben wird, dass es Gicht heilt, sollten Sie gar nicht erst weiterlesen!) Hinter vielen Produkten stehen handfeste monetäre Interessen; wieder andere Behandlungen oder Verhaltensweisen werden vorgeschlagen, weil sie sich (zumindest im Einzelfall) bewährt haben. Einen wirklichen Beweis für ihre Wirksamkeit bei Gicht bleiben die Anbieter aber meist schuldig.

 

Natürlich ist der Nachweis der Wirksamkeit (und dann auch gleich der Nebenwirkungen) meist schwierig zu führen. In der Medizin hat sich das Verfahren der Doppel- oder Dreifachblindstudie hierfür bewährt. Hierbei erhält ein Teil der Patienten das zu testende Medikament, der andere Teil ein Placebo (also ein „Scheinarzneimittel“ ohne Wirkstoff). Weder die Patienten noch die Ärzte wissen, welcher Patient was erhält. Erst die spätere Auswertung der Testergebnisse führt dann die am Patienten erhobenen Informationen und das Wissen über die Medikamentengabe wieder zusammen. Das Ganze ist natürlich aufwändig und kostenintensiv und verbietet sich daher oft, wenn später mit dem getesteten Produkt nicht auch ausreichend Geld zu verdienen ist.

 

Wieso "wirken" wirkungslose Substanzen?

Es gibt massenhaft Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und sonstige... äh... Dinge, bei denen man nach heutigem Wissensstand fest von der Unwirksamkeit überzeugt ist, von deren Nutzern zumindest ein Teil aber fest von der Wirksamkeit überzeugt ist. Wie kommt das?

 

Zwei Ansätze zur Erklärung:

 

1. Der Placebo-Effekt

Der Patient erhält eine wirkungslose Tablette, glaubt aber, er erhalte ein wirksames Medikament. Trotzdem die Tablette nur einen Füllstoff enthält, spürt der Patient bald eine Besserung seiner Beschwerden. Und dieser Effekt ist nicht nur eingebildet, es kann tatsächlich zu einer messbaren Besserung kommen. Placebos behandeln zwar nicht den Körper, wohl aber den Geist. Daher wirken Placebos auch bei manchen psychischen Problemen besonders gut. Aber durch die Interaktion des Geistes mit dem Körper können auch physische Probleme gelindert werden.

 

Statt viel Geld für teure Scheinmedikamente herauszuwerfen, sollte der Gichtpatient sich also lieber in der Apotheke eine Packung Placebos holen. Und zwar am besten rote, da diese nachgewiesenermaßen bei rheumatischen Beschwerden am besten helfen! 

2. Zufall

Ich, der Autor dieser Website, habe folgendes erlebt: Ich hatte eine gewöhnliche Erkältung, allerdings verbunden mit enormen Kopfschmerzen. Ich nahm reichlich Aspirin (mit nur schwacher Wirkung) und litt ziemlich. Nach zwei Tagen ging ich zum Arzt. Dieser sagte nur, machen Sie so weiter, das gibt sich irgendwann wieder. Und wie Recht er hatte; kaum zwei Stunden später wurden die Kopfschmerzen weniger und nach einem halben Tag war alles vorbei. Was hätte ich jetzt gedacht, wenn mich mein Arzt nicht einfach wieder nach Hause geschickt hätte, sondern irgendeine Behandlung an mir vorgenommen hätte? Zum Beispiel Akupunktur. Ich würde heute noch darauf schwören, dass Akupunktur bei schlimmen Kopfschmerzen hilft. Weil es in der Vergangenheit schon funktioniert hat... Wenn auch nur zufällig.

 

Produkte die bei Gicht nicht helfen

Im Sinne von: Das Mittel / Verfahren hat keine oder keine ausreichende Wirkung Gicht vorzubeugen oder einen Gichtanfall zu heilen bzw. spürbar zu lindern:

 

Sämtliche homopatischen Medikamente

Die Homöopathie  ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die auf den ab 1796 veröffentlichten Vorstellungen des deutschen Arztes Samuel Hahnemann beruht. Sie basiert auf dem von Hahnemann formulierten Ähnlichkeitsprinzip: „Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“ (similia similibus curentur). Es wird also eine Grundsubstanz gewählt, die ähnliche Beschwerden hervorruft, wie die Krankheit, unter der der Betroffene leidet. Diese Substanz wird dann extrem verdünnt ("potenziert"), so dass rechnerisch teilweise kein Molekül der Grundsubstanz mehr im gekauften Produkt mehr enthalten ist.

 

Zur Reduktion des Harnsäurewertes wird als Grundsubstanz gern Adlumia fungosa (eine Kletterpflanze) verwendet. Zur Behandlung des akuten Gichtanfalls kommen unter anderem Tollkirsche und Honigbienengift zum Einsatz.

 

Es tut mir wirklich leid, aber es ist keine über den Plazebo-Effekt hinausgehende Wirkung zu erwarten.

 

Mittel gegen "Übersäuerung"

Sehr unspezifisch, keine wesentliche Wirkung zu erwarten. Besser und billiger: reichlich hydrogencarbonatreiches Wasser trinken.

 

Löwenzahn, Löwenzahnsaft, Löwenzahnwurzel gegen Gicht

Der Löwenzahn (lat. Taraxacum) ist ein volksheilkundliches Mittel gegen Gicht. Keine nennenswerte Wirkung zu erwarten. 

 

Pilze / "Vitalpilze" gegen Gicht

(Ist „Vitalpilz“ nicht ein interessanter Begriff?) Die Pilze werden im Rahmen einer naturheilkundlichen Therapie (man findet auch den Begriff Mykotherapie) zur Vorbeugung und bei Gichtanfällen eingesetzt. Bevorzugt werden die Pilze Shiitake und Reishi genannt. Keine nennenswerte Wirkung zu erwarten.

 

Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) gegen Gicht

Der Afrikanischen Teufelskralle wird unter anderem eine gewisse unterstützende Wirkung bei der Behandlung von Rheuma zugeschrieben. Aus ihren Wurzeln werden Pulver, Salben, Tees etc. hergestellt. Trotzdem ist keine nennenswerte Wirkung bei Gicht zu erwarten.

 

Grünlippmuschel (Perna canaliculus) gegen Gicht

Die in ihr enthaltenen Glycosaminoglykane sollen als Gelenknährstoff dienen. Das mag auch so stimmen, ist bei Gicht aber nicht relevant / hilfreich.

 

Glucosamin gegen Gicht

Glukosamin ist Bestandteil des Gelenkknorpels. Durch die Zufuhr von Glucosamin in Tablettenform soll die Neubildung / Reparatur geschädigten Knorpels (insbesondere bei Kniegelenksarthrose) unterstützt werden. Eine Wirksamkeit dieser Behandlung bei Gicht ist nicht nachgewiesen. 

 

Bach-Blüten gegen Gicht

Die Bach-Blütentherapie ist ein 1930er Jahren von dem britischen Arzt Edward Bach entwickeltes alternativmedizinisches Verfahren. Nach seiner Theorie ist jede körperliche Krankheit in einer seelischen Gleichgewichtsstörung begründet. Diesen "disharmonischen Seelenzuständen" ordnete er Blüten oder Pflanzenteile zu, die er in Wasser einlegte oder hierin kochte, um so ihre "Schwingungen" in das Wasser zu übertragen. Aus den so entstandenen Tinkturen wurden durch starke Verdünnung die "Blütenessenzen".

 

Keine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirkung. Weder bei Gicht noch sonstwo.

 

Fasten / Heilfasten gegen Gicht

Während (bei vorhandenem Übergewicht) eine langsame Gewichtsreduktion durchaus sinnvoll ist, sind Fasten und Heilfasten eher schädlich. Fasten kann durch den erhöhten Verbrauch von Körpersubstanz (insbesondere Muskelmasse) Gichtanfälle auslösen.

 

Schüßler Salze gegen Gicht

Schüßler Salze sind homöopathisch verdünnte (also extrem stark verdünnte) Mineralsalze. Wilhelm Heinrich Schüßler veröffentlichte diese Behandlungsmethode im Jahre 1873. Es gibt keinen Nachweis für eine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirkung. Schüßler-Salze sind medizinisch nicht anerkannt.

 

Heilsteine gegen Gicht

Das Mitführen, nicht das Einnehmen ;-) der Heilsteine soll gegen diverse Krankheiten helfen. Zur Behandlung der Gicht werden unter anderem Achat und Jade empfohlen. Heilsteine haben keine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirkung.

 

Molybdän gegen Gicht

Eine krude Theorie soll belegen, dass ein Mangel an Molybdän (metallisches Spurenelement) zu Gicht führt. Das Gegenteil ist der Fall. Finger weg!